Mittwoch, 1. Juli 2009 / Mercredi, 1er juillet 2009
Symposien klein / Symposiums courts 08.30 – 10.00
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durchgeführt. Es stehen einzelschulische, schulform- und bundeslandspezifische Un-
terschiede sowohl im mittleren Niveau als auch in der Streuung in Bezug auf systemi-
sche, institutionelle, unterrichtliche und individuellen Merkmale im Fokus des Interes-
ses. Mehrebenenanalytische Random Intercept Only-Modelle dienen dazu, die jeweili-
gen Varianzkomponenten der Individual-, Schul- und Bundeslandebene zu schätzen.
Die Analysen basieren zu einem großen Teil auf regressionsanalytisch adjustierten
Merkmalen.
Im Vorfeld der Haupterhebung wurde eine Sekundäranalyse der PISA E 2003-Daten
zum Zusammenhang von Prüfungsorganisation und Leistungsniveau durchgeführt. Die
Ergebnisse zeigen gegenüber den Forschungsbefunden bildungsökonomischer Prove-
nienz (z.B. Wößmann, 2008), dass sich anhand der Daten die unterstellten generellen
und substanziellen Effekte des Zentralabiturs so nicht beobachten lassen bzw. entwe-
der erwartungswidrig, von der Größenordnung her klein bis trivial sind oder domänen-
spezifisch variieren. Die ebenfalls erstellten Übersichtsstudien zur Prüfungsorganisation
in der Sek. I und II zeigen (Klein u.a., im Druck), wie heterogen die Prüfungssysteme
selbst s.g. ‚zentral prüfender‘ Länder ausgestaltet sind. Zwischen den Bundesländern
überwiegen die Unterschiede in der Ausgestaltung der Prüfungselemente die Gemein-
samkeiten. Aus internationaler Perspektive wiederum präferiert die Mehrheit der zentral
prüfenden Bundesländer solche Organisationsformen, die einen im internationalen Ver-
gleich nur geringen bis mittleren Standardisierungsgrad repräsentieren.
Literatur
Altrichter, H., Brüsemeister, T. & Wissinger, J. (Hrsg.) (2007). Educational Governance.
Handlungskoordination und Steuerung im Bildungssystem. Wiesbaden: Verlag für
Sozialwissenschaften.
Klein, D., Kühn, S., Ackeren, I. van & Block, R. (2009 im Druck). Wie zentral sind zent-
rale Prüfungen? Zentrale Abschlussprüfungen am Ende der Sekundarstufe II im na-
tionalen und internationalen Vergleich. Zeitschrift für Pädagogik.
Maag Merki, K., Klieme, E. & Holmeier, M. (2008). Unterrichtsgestaltung unter den Be-
dingungen zentraler Abiturprüfungen. In: Zeitschrift für Pädagogik 54, 6, 791-808.
Wößmann, L. (2008). Zentrale Abschlussprüfungen und Schülerleistungen. In: Zeit-
schrift für Pädagogik 54, 6, 810-826.
Evaluation des Zentralabiturs in Nordrhein-Westfalen
Pfuhl, Nadja & Bos, Wilfried
Institut für Schulentwicklungsforschung, TU Dortmund
Nach den ersten beiden Jahrgängen mit zentralen schriftlichen Abiturprüfungen hat das
Land Nordrhein-Westfalen entschieden, die Qualitätsentwicklung in diesem Bereich
durch die verantwortliche Mitwirkung wissenschaftlicher und fachwissenschaftlicher Ex-
pertinnen und Experten kontinuierlich voranzutreiben. Somit ist Nordrhein-Westfalen
das erste Land, das konsequent Wissenschaft, Fachdidaktik und Unterrichtspraxis bei
der Entwicklung und Genehmigung zentral gestellter Abituraufgaben zusammenführt.
Zudem wird im Rahmen einer wissenschaftlichen Begleitforschung die Einführung zent-
raler Abiturprüfungen in Nordrhein-Westfalen eingehender untersucht. Die Kritik am
Zentralabitur bezieht sich hauptsächlich auf ein relativ breit und eher oberflächliches
Unterrichtsangebot, welches in dem mittleren Anspruchsniveaus von zentralen Prü-
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