Einleitung
Schon 1977 formulierte Ewald Terhart provozierend „Es gibt keine Lehrtheorie!“.
2002 bestätigt Ulrich Oevermann diesen Ausruf: die „Struktur des Handlungsprob-
lems, vor das der Lehrberuf gestellt ist“ sei ungenügend durchdrungen. Auch die im
aktuellen wissenschaftlichen Diskurs und in der politischen Rahmengebung dominan-
ten Kompetenztheorien leiden unter einem Theoriemangel, so jedenfalls Jürgen
Baumert 2006. Ihnen fehle eine Metatheorie, welche die Auswahl der Kompetenzpro-
file und Standardgruppen zu begründen erlaube. Und Andreas Gruschka kommt
2005 zum Schluss, dass eine „Theorie des Unterrichtens“ dringend benötigt wird.
Im geplanten Symposium sollen empirische und theoretische Beiträge diese seit lan-
gem andauernde und offenbar kaum einer Klärung zugeführte theoretische „Notlage“
aufgreifen und Perspektiven ihrer Bewältigung diskutieren. Dabei interessiert insbe-
sondere die Frage, inwiefern sich die Notwendigkeit einer „Theorie des Lehrens“
womöglich gerade auch in einer sich vollziehenden Praxis zeigt oder ob davon aus-
zugehen ist, das Unterrichten bedürfe keiner elaborierten Theoriebildung, wie Elmar
Tenorth es mit seiner Gegenüberstellung von „Ratlosigkeit der Theorie“ und „gelin-
gender Praxis“ 2006 andeutete. Woran orientieren sich die Lehrpersonen in ihrer
Praxis? In der Theoriedebatte jedenfalls scheint unklar, was der Bezugspunkt, mit
anderen Worten, was der „Fall“ professionalisierten Lehrhandelns ist.
In den empirischen Beiträgen werden handlungsleitende Orientierungen von Lehr-
personen rekonstruiert und theoretisch diskutiert. Die Vortragenden ergründen, auf
welchem impliziten Verständnis des Lehrens eine Praxis aufruht, welcher „Theorie“
gewissermassen eine Lehrperson handelnd folgt.
Darauf basierend diskutieren sie, in welchem Verhältnis dieses Verständnis zu unter-
richtlichen Notwendigkeiten, wie die jeweiligen Vortragenden sie theoretisch entwer-
fen, steht. Die auf möglichst lückenlose Nachvollziehbarkeit angelegten Präsentatio-
nen von Analysen und die knapp gehaltenen Theoretisierungen bilden die Grundlage
für die Diskussion.
Die Diskutanten greifen die empirischen Auswertungen und deren Theoretisierungen
auf und beziehen diese auf die aktuellen Debatten um Charakteristiken bzw. Struktu-
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